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Historisches |
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Salonkultur im Hause Mendelssohn |
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Mit den 1831
wiederaufgenommenen und mit Unterbrechungen bis zu ihrem
Tod fortgesetzten Sonntagsmusiken knüpfte Fanny Hensel
an die 1822 von Abraham Mendelssohn Bartholdy
initiierten Konzerte an, zu denen er Musiker der
Hofkapelle engagiert hatte. Die in zweiwöchentlichem
Abstand zwischen 11 und 14 Uhr stattfindenden Matineen
auf hohem künstlerischen Niveau boten für Felix und
Fanny die Möglichkeit, neben den Werken anderer
Komponisten auch eigene Kompositionen aufzuführen. Nach
dem Umzug in das große Anwesen in der Leipziger Str. 3
im Jahre 1825 stand für die Sonntagsmusiken der auf den
Park hinausgehende Gartensaal zur Verfügung, ein ca. 105
qm großer Raum, der sich durch zurückschiebbare
Glaswände in eine offene Säulenhalle verwandeln ließ.(1)
Fanny gründete ihren eigenen Chor,
lud befreundete Musiker und SängerInnen ein und stellte
die Programme zusammen. Gelegentlich engagierte sie
Orchestermusiker wie z. B. 1834 das Orchester des
Köngstädter Theaters zur Aufführung ihrer
C-Dur-Ouvertüre(3) und leitete die Konzerte als
Pianistin und Dirigentin. Johanna Kinkel, die von 1836
bis 1839 in Berlin lebte, beschreibt 1856 rückblickend,
welche Faszination von Fanny Hensel ausging:(4) Bei den von Fanny ausgewählten Kompositionen handelt es sich um „die classischen Werke der älteren“ und „die besten der neueren Zeit“, oder, wie Rellstab an früherer Stelle des bereits zitierten Nachrufs formuliert: „Nicht das Glänzende, Vorübergehende, dem die Zeit huldigt, das Ewige, Aechte, das ihr trotzt, war es, woran ihr Sinn sich erwärmte und erhob.“ Dies wird bestätigt durch eine von der Autorin vorgenommene Rekonstruktion der Programme der Sonntagsmusiken (1831-1847) nach – zum Teil unveröffentlichten – Tagebüchern und Briefen Fanny Hensels: Am häufigsten vertreten sind die Werke Beethovens und ihres Bruders Felix, an zweiter Stelle rangieren J. S. Bach, Mozart, Haydn und Carl Maria von Weber, gelegentlich aufgeführt wurden Werke von Zeitgenossen wie z. B. Chopin, Niels Gade und Louis Spohr. Der Schwerpunkt liegt, da Fanny nur ausnahmsweise Orchestermusiker zur Verfügung standen, auf Solo- und Chorliedern, Klavierstücken, Kammermusik und Teilen aus Oratorien, Kantaten und Opern, wobei auffällt, daß Fanny Werke von Schumann, Berlioz und anderen aus heutiger Sicht bedeutenden Komponisten ignoriert. Die Aufführung eigener Werke spielt insgesamt eine erstaunlich geringe Rolle: Außer der erwähnten C-Dur-Ouvertüre erklangen einige Klavierstücke, Lieder und Duette, eine Kantate (vermutlich Hiob), die dramatische Szene für Sopran und Orchester Hero und Leander, die Musik zu Goethes Faust II und das posthum veröffentlichte Klaviertrio d-Moll op. 11. Obwohl Fanny Hensel die
Sonntagsmusiken in begrenztem Umfang auch als Forum für
ihre eigenen Kompositionen nutzte, ging es ihr in erster
Linie um das Werk der Komponisten, die sie am meisten
schätzte, vor allem Bachs, Beethovens und Mozarts und
ihres Bruders. Ein mögliches Konzept für diese Konzerte
hatte sie schon 1825 in ihrem Tagebuch
niedergeschrieben, wo sie unter der Überschrift
„Vorschlag zur Errichtung eines Dilettantenvereins für
Instrumentalmusik“ den Zustand der Instrumentalmusik in
Berlin beklagt und „die Bestrebungen sachkundiger und
tüchtiger Männer“ fordert, da „die sinkende Kunst [...]
mit starker Hand“ gehoben werden müsse.(5) Obwohl sie in
ihren Konzerten keine Symphonien aufführen konnte,
verfolgte sie im Rahmen der Sonntagsmusiken konsequent
ihre 1825 formulierte Forderung, „grosse
Instrumentalkompositionen auf einen würdige Weise
darzustellen“. Mit der Aufführung von bedeutenden Werken
des Barock und der Wiener Klassik leistete sie somit
einen wesentlichen Beitrag zur musikalischen
Repertoirebildung. |
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