Romantik 


 

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Hochromantik ca. 1830 - 1850

   
       
  Giacomo Meyerbeer (1791-1864)
Meyerbeer wird in verhältnismäßig reichen Verhältnissen in der Nähe Berlins geboren. Im Alter von 25 Jahren geht er nach Italien, wo er mit italienischen Opern erste Achtungserfolge zu erzielen vermag. Im Jahre 1831 siedelt er nach Paris über, um im Rahmen der Grand Opéra französische Opern zu schreiben beginnt. Bereits nach kurzer Zeit gilt er als Opernkomponist von Weltruf, der besonders durch großangelegte Bühnendarstellungen und geschickte Verquickungen verschiedener Nationalstile zu überzeugen weiß. 1864 stirbt Meyerbeer in Paris.
Zu seinen berühmtesten Werken gehören „Robert le diable“ (1831), Les Huguenots (1836) und l’Africaine (1864).

 

 

  Hector Berlioz (1803-1869)
Der in Côte-Saint-André geborene Berlioz beabsichtigt zunächst ein Medizinstudium, was er jedoch kurze Zeit darauf aufgibt, um am Pariser Conservatoire eine Ausbildung zu genießen. 1830 erhält Berlioz den Rompreis, der ihm ein Stipendium in Italien ermöglicht. Im Ausland erfreuen sich seine Werke zeitlebens größerer Beliebtheit als in Frankreich. Programmmusik und die Realisierung einer „ideé fixe“ spielen in seinem Gesamtwerk eine ebenso große Rolle wie auch der deutliche Einfluß von beethovenscher Sinfonik. 1869 stirbt Berlioz in Paris.
Zu seinen berühmtesten Werken gehören neben der Oper Les Troyens (1855-58) die drei Sinfonien Symphonie Fantastique (1830), Harold en Italie (1834) beziehungsweise Roméo et Juliette (1839). Neben kompositorischer Tätigkeit sei auch Berlioz’ Wirken als Theoretiker erwähnt; herausragend hier die 1843 erschienene Abhandlung über Orchestration (Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne).

 

 
  Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Geboren in Hamburg, sind erste kompositorische Gehversuche bereits im Alter von elf Jahren anzusetzen, worauf fortan dauerhafte Kompositionstätigkeit folgt. Nach europaweiten Reisen zu Anfang der 1830er Jahre kehrt Mendelssohn Bartholdy in seine Wahlheimat Berlin zurück, wo er 1842 Preußischer Generalmusikdirektor wird, nachdem er unter anderem bereits in Düsseldorf als Musikdirektor gewirkt hat. 1847 stirbt Mendelssohn Bartholdy in Leipzig.
Sein Oeuvre umfasst u.a. fünf Sinfonien, Bühnenwerke („Die Hochzeit des Camacho“, UA 1827), Oratorien sowie kirchliche und weltliche Musik (Chöre), Kammermusik, Klavierstücke, drei Klavier- und zwei Violinkonzerte. Musikalisch ist der Pianist, Dirigent und Komponist Mendelssohn Bartholdy im Bereich der Klassik anzusiedeln, obgleich seine Werke durch den deutlichen Einbezug lyrischer Formen romantische Züge aufweisen.

 

 
  Robert Schumann (1810-1856)
Geboren in Zwickau, erhält Schumann ab seinem achten Lebensjahr Klavierunterricht. Ab 1828 beabsichtigt er ein Jurastudium, welches er jedoch leidenschaftslos beendet, um sich völlig der Musik zu widmen. In den dreißiger Jahren entstehen erste Klavierkompositionen, bevor er Clara Wieck, die wohl bekannteste deutsche Pianistin, heiratet. Er gründet die Neue Zeitschrift für Musik, kann sich jedoch im folgenden als Lehrer und Dirigent aufgrund seiner introvertierten, romantisch-idealistischen Haltung nicht durchsetzen; auch ist sein kompositorisches Schaffen zur damaligen Zeit wenig bekannt. Durch Mendelssohn Bartholdy gelangt er schließlich im Jahre 1843 an das Konservatorium in Leipzig, bevor er ein Jahr darauf Chorleiter in Dresden wird. Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er unter Depressionen in einer psychiatrischen Klinik.
Schumanns Schaffen, welches als zentral für die Hochromantik angesehen werden kann und direkt nach Beethovens und Schuberts Tod einsetzt, weist eine starke Bindung zur Dichtkunst und ein vielgestaltiges Klavierwerk auf. Die Sonatenform findet in Schumanns Werk eine besondere Behandlung, wird sie doch durch Aneinanderreihung kurzer Stücke zu zyklenartigen Gebilden geschickt vermieden. Seinen insgesamt vier Sinfonien merkt man deutlich den Einfluß Beethovens an, dessen Größe jedoch nicht erreicht wird. Herausragend im Bereich der Orchesterwerke sind neben einigen interessanten Opern das Klavierkonzert a-moll. Sein Gesamtwerk umfasst überdies zahlreiche Kammermusikstücke und Vokalwerke.

 

 
  Johanna Kinkel (1810-1858)
Die 1810 geborene Tochter des Bonner Gymnasiallehrers Mockel baut in jungen Jahren in Bonn einen Chor auf, den sie von 1827 bis 1848 leitet, und mit dem sie sogar konzertant Opern aufführt. Ihre Lehrtätigkeit umfasst Klavierspiel, Gesangsunterricht, Unterricht in Generalbass, Kontrapunkt und Musikgeschichte. Da ihr zweiter Ehemann, der Theologe Gottfried Kinkel, seine Ämter verliert und eine unbezahlte Professur übernimmt, gibt Johanna Kinkel Klavierunterricht, um das Existenzminimum der Familie zu sichern. Sie äußert sich 1845 gegenüber einer Freundin zu dieser Doppelbelastung: „Musik bekomme ich gar keine mehr zu hören. Mein Flügel dient nur noch, um frisch gebügelte Windeln darauf zu trocknen. Das darf aber nicht mehr so fortgehen. Nächste Woche will ich ihn wieder aufmachen, denn ich schmachte nach einem Ton Musik. Könnte ich jetzt meiner dümmsten Schülerin Stunde geben und Stückchen von Wanhal zu vier Händen spielen, es würde mir eine Erquickung sein. Doch ich muß mir das Schwimmen in meinem eigenen Element versagen, bis die Kinder über die ersten gefährlichsten Jahre hinaus sind...“ Als ihr Mann 1849 im badisch-pfälzischen Aufstand gefangen genommen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird, ermöglicht sie seine gewaltsame Befreiung aus dem Berliner Gefängnis. Beide fliehen mit ihren Kindern nach London. Ihr virtuoses Klavierspiel öffnet ihr den Weg in die Salons der britischen Oberschicht und sichert ihre Existenz.
Johanna Kinkel komponiert ausschließlich Vokalmusik in kleiner Besetzung: zahlreiche Lieder, Duette, einige Chorwerke und Kantaten für private Aufführungen, so z. B. die „Vogelkantate“. Zu dieser Kantate kommen ähnliche Gelegenheitsarbeiten, darunter Lustspiele mit Musik für Liebhaberaufführungen. „Hans Ibbeles in London“ ist ihr einziger Roman geblieben, des weiteren schreibt sie Gedichte, Novellen, politische Glossen und journalistische Arbeiten, wobei ihr zentrales Thema der Kampf gegen die klavierspielenden höheren Töchter und für eine bessere Mädchenbildung ist. Johanna Kinkel ist Dirigentin, Komponistin, Pädagogin, Hausfrau, Ehefrau und Mutter in einer Person. 1858 verunglückt sie tödlich bei dem Sturz aus einem Fenster ihrer Wohnung.

 

 
  Franz von Liszt (1811-1886)
Der deutsch-ungarische Pianist und Komponist wächst zunächst in Raiding auf, bevor er über Wien nach Paris geht und europaweit Erfolge feiert. Zu seinen Lehren gehören Salieri, Paer, Czerny und Reicha. Ab 1848 lebt er in Weimar zusammen mit der Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein. Zwei Dinge prägen Liszt von nun an in besonderer Weise: Fortan gilt er als einer der bedeutendsten virtuosen Pianisten, der auch als Lehrer eine bedeutende Rolle spielt. Ferner widmet er sich verstärkt der Verbindung von Dichtung und Komposition, die in der von ihm ins Leben gerufene Gattung der Sinfonischen Dichtung Bedeutung findet. Liszt gilt als herausragende Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, dem auch im Blick auf das folgende 20. Jahrhundert Pionierfunktion zukommt. 1886 stirbt Liszt in Bayreuth.
Sein Oeuvre umfasst zahlreiche Orchesterwerke (darunter viele Sinfonische Dichtungen und einige Klavierkonzerte), Klavierwerke, Bearbeitungen und Vokalwerke.

 

 
  Josephine Lang (1815-1880)
Da Josephines Großmutter Schauspielerin war und ihre Mutter als Sängerin Karriere gemacht hat, ist es selbstverständlich, dass sie selbst Berufsmusikerin werden soll. Mit elf Jahren debütiert sie in München als Pianistin und gilt als pianistische Größe der Stadt. 1824 stirbt ihre Mutter, sodass Josephine bereits mit 12 Jahren bis zu 8 Stunden täglich Klavier- und Gesangsstunden gibt, um die Familie mitzuernähren.
Ferdinand Hiller schreibt über sie: „Wenn sie ein Gedicht las, gestaltete es sich schon zu Musik in ihr. Sie sang diese Sachen ihren Schülerinnen vor, und von allen Seiten wurde sie nun ermuntert, gedrängt, getrieben. So war eine ganze Sammlung zustande gekommen, aber nur auf fliegenden Blättern höchst mangelhaft notiert.“
1830 findet die entscheidende Begegnung mit Felix Mendelssohn statt, der sie täglich unterrichtet und nach Hause schreibt: „Sie hat die Gabe, Lieder zu komponieren und zu singen, wie ich noch nie etwas gehört habe, es ist die vollkommendste musikalische freude, die mir bis jetzt wohl zu Teil geworden ist. Wen diese Lieder nicht packen, der fühlt überhaupt gar nichts.“ Während ihrer Verlobungszeit mit dem Tübinger Rechtsgelehrten Koestlin komponiert Josephine Lang innerhalb von 5 Wochen 41 Liedkompositionen, von denen sie Felix Mendelssohn eine Auswahl, ihr Opus 12 widmet. Die kompositorische Schönheit ihrer Lieder stößt auf Bewunderung bei allen Zeitgenossen. Mendelssohn schreibt umgehend an Koestlin: „Um Gottes Willen, halten Sie sie zum fleißigen Komponieren an. Es ist wahrhaftig eine Pflicht gegen uns alle, die wir nach gutem Neuem immerfort lechzen und umschauen!“
Das Gegenteil geschieht, Josephine bekam sechs Kinder. Als Koestlin 1856 stirbt, muss Josephine den Lebensunterhalt für ihre sechs Kinder bestreiten und beginnt wieder zu unterrichten und zu komponieren. Viele ihrer Lieder wurden zu ihren Lebzeiten gedruckt.

 

 
  Clara Schumann (1819-1896)
Sie hat Musikgeschichte geschrieben wie kaum eine andere Frau. Nicht als Komponistin, obgleich sie immerhin 23 gedruckte Werke hinterlassen hat. In die Musikgeschichte eingegangen ist sie als Klaviervirtuosin und Gattin. Ihre Leistungen liegen darüber hinaus auch auf dem Gebiet der von ihr begründeten Interpretationsrichtung und ihrem Wirken als Pädagogin. Vater Wieck züchtet sie zum Wunderkind heran, Kompositionsunterricht erteilt ihr der Thomaskantor Weinling, damit sie in den Konzerten eigene Stücke und Improvisationen einbringen kann. Im Alter von 9 Jahren gibt sie ihr Debüt als Virtuosin im Leipziger Gewandhaus. Am selben Ort spielt sie 1835 ihr Klavierkonzert a-moll, das sie Louis Spohr gewidmet hat. Ihr Opus 1, 4 Polonaisen für Klavier, wird 1831 bei Hofmeister in Leipzig gedruckt.
Nach einer langen zermürbenden Wartezeit heiraten Clara und Robert Schumann 1840, Claras Konzerttätigkeit muss nun zurücktreten. Zum einen fühlt sich Robert durch die kleinste Störung vom Komponieren abgelenkt – Clara kam deshalb oft monatelang nicht zum Üben – zum anderen bekommt sie in 13 Jahren acht Kinder. Die Qualität ihrer Kompositionen aber wächst gerade in dieser Zeit, ihre Lieder op. 12. gehören zu dem Schönsten, was sie geschrieben hat. „Es geht dich nichts über das Vergnügen, etwas selbst komponiert zu haben und dann zu hören“ notiert sie acht Jahre später im Oktober 1848 nach einer Probe ihres Klaviertrios op. 17. Clara äußert immer wieder, dass die kompositorische Arbeit von Frauen nichts wert sei, warum sollte sie ihre eigene Kunst wertschätzen, wo es doch nirgends ‚wirkliche‘ Vorbilder gab? Trotz Begabung, Erfolg, Veröffentlichungen und innerem Bedürfnis gibt sie auf. Nach Roberts Tod 1856 komponiert sie nicht mehr.
 
 
 

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